chaostage 2001
news
musik
konzerte
diskurs
gäste
forum
chat
de.alt.soc.punk
de.comp.lang.php
archiv
links
kommunikation
kontakt
|
|
alle Presseberichte
Neues Deutschland
Chaostage: Ernst oder Ente: »Cottbus zu Asche und Dortmund zu Staub«
Anfang August sollen gleich zwei der gefürchteten Punkertreffen stattfinden
23.07.2001
Von Jan Dörner
In den letzten Jahren kam es bei den Chaostagen immer wieder zu
gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diesmal soll paritätisch
in Ost und West das Chaos organisiert werden.
Im Internet ist ein Countdown zu sehen, der die Tage, Stunden, Minuten und
sogar Sekunden bis zum Beginn der nächsten Chaostage zählt. Glaubt man den
Ankündigungen, soll es vom 3. bis 5.August so weit sein: Punks aus allen
Teilen des Landes treffen sich auch in diesem Jahr zu einer lauten Fete, um
große Mengen von Bier zu vernichten. Dabei kam es bisher immer wieder zu
Krawallen und Straßenschlachten mit der Polizei.
Neu ist, dass die Chaostage nicht der niedersächsischen Landeshauptstadt
Hannover angedroht werden, sondern unter dem Motto »Cottbus zu Asche und
Dortmund zu Staub« zwei anderen Städten. Laut den Ankündigungen auf diversen
Internetseiten sollen die Punks aus Westeuropa nach Dortmund fahren, die aus
Osteuropa nach Cottbus. Auf Flyern wird für die Punkertreffen geworben -
sowohl mit Gewaltaufrufen als auch mit einem Appell zu friedlichen
Chaostagen. Als Schirmherren werden spaßeshalber der bayerische
Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Kinder-Fernsehstar Peter Lustig
angegeben.
Bei der Polizei berüchtigt und in der Punkszene legendär sind die Chaostage
von 1995 in Hannover. Drei Tage lang lieferten sich die Bunthaarigen
Straßenschlachten mit den Ordnungshütern, Barrikaden brannten, und ein
Supermarkt wurde geplündert. Allein 400 Polizisten wurden verletzt, die Zahl
der verletzten Punks ist nicht bekannt. Der an dem Augustwochenende
entstandene Sachschaden belief sich auf fast eine Million Mark.
Doch die unfreiwillig zum diesjährigen Austragungsort ernannten Städte geben
sich betont gelassen. Das Pressebüro der Stadt Cottbus ließ auf ND-Anfrage
verlauten, dass man die Aufrufe zu den Chaostagen beobachten werde, aber
unbesorgt bleibe. Schließlich habe man Erfahrungen mit Fußballfans, die nach
den Spielen des FC Energie Cottbus durch die Straßen ziehen. Eventuell
würden Teile der Stadt abgesperrt. Immerhin wurden Erkundigungen bei den
erfahrenen Behörden aus Hannover eingezogen.
Aus der Pressestelle der Stadt Dortmund wurde dem ND mitgeteilt, dass man
nicht von einem Punker-Treffen in der Westfalen-Metropole ausgehe. Trotzdem
trafen sich Ende letzter Woche Vertreter des Ordnungsamtes und der
Dortmunder Polizei zu einer gemeinsamen Besprechung wegen der Chaostage.
Anders klingen allerdings die Statements der Punks im Internet: Angeblich
seien schon T-Shirts mit einem Aufdruck »Chaostage 2001 in Dortmund«
gedruckt worden. Erwartet werden nach Schätzungen aus der Szene 2000 bis
2500 Punker in der Revierstadt.
Ihren Ursprung haben die Chaostage im Jahre 1980. Der Journalist Jürgen
Voges deckte eine von der hannoverschen Polizei geführte »Punkerkartei« auf,
in der die ortsansässige Szene erfasst war. Um diesen Katalog unbrauchbar zu
machen und die Polizei zu überfordern, wurde unter den Punkern ganz
Deutschlands dazu aufgerufen, möglichst massenhaft in Hannover zu
einem »Chaostag« zu erscheinen. Nachdem diese als Demonstration gemeinte
Aktion mit einem Knüppeleinsatz der Polizei endete, wurde in den folgenden
Jahren in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu den Chaostagen
mobilisiert. (ND 23.07.01)
|
|
|
Die Welt-Ticker:
Yahoo-Headlines:
|
|